25. Februar 2018

Sie erhitzt die Gemüter von Anwohnern und Volksvertretern: die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) im Münchner Nordosten. Wo heute ein von kleinen Dorfkernen und bäuerlicher Landwirtschaft geprägter Landschafts- und Erholungsraum zu finden ist, soll schon bald ein gewaltiges Bauprojekt, eine Stadt am Rande der Stadt entstehen. 30.000 Einwohner, 10.000 Arbeitsplätze und eine Fläche von 600 Hektar sind die nackten Zahlen des städtebaulichen Gigantismus.

Das ist keine vernünftige Vision, sondern eher ein städtebaulicher Albtraum

Der bereits heute am dichtest besiedelten Großstadt der Bundesrepublik soll so noch einmal eine mittlere Kleinstadt angeschlossen werden, deren Dichte mit 5000 Einwohnern pro Quadratkilometer fünf mal so hoch wäre wie die der Stadt Fürstenfeldbruck. Vorbei wären dann die Zeiten eines ländlich-idyllischen Stadtrandes, eingetauscht gegen bruitistische Großstadtbebauung.

Dieser städtebauliche Albtraum, wie ihn der Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper (CSU) bezeichnet, erregt verständlicher Weise den Zorn vieler Anwohner. Bei einer vom Bündnis NordOst initiierten Bürgerveranstaltung, zu der über 1000 Menschen gekommen waren, wurde dies deutlich. Nicht nur die extremen Dimensionen der SEM, sondern auch der Ablauf der Planung irritieren die Bürger. Ohne vorher den nötigen Infrastrukturbedarf zu klären, plant die Landeshauptstadt frisch von der Leber weg in unvorstellbaren Größenordnungen.

Es kann in München nicht zweierlei Recht geben – im Norden und im Nordosten.

Deshalb hat Robert Brannekämper beim Verkehrsplanungsbüro RegioConsult Marburg eine Bestandsanalyse des Verkehrs im Münchner Nord-Osten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis des 67 Seiten langen Dokuments: Schon ohne die irrwitzigen Dimensionen der SEM droht München der Verkehrskollaps. Wie der Osten zusätzlich zu den heute bereits vorhandenen Verkehrsströmen und den zu erwartenden Mehrbelastungen aus den bereits in Planung und Bau befindlichen Projekten im Osten noch Verkehrsbewegungen von über 30.000 Menschen aufnehmen soll, ist absolut unvorstellbar.

Die Präsentation des Gutachtens finden Sie hier: Präsentation Verkehrs-Bestandsanalyse für den Münchner Nord-Osten

Die Folge für Robert Brannekämper und die CSU im Münchner Osten: die Planungen für die SEM müssen zurück auf Null gesetzt werden. Die Neuplanung muss neben deutlich kleineren Dimensionen vor allem eine bessere Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort beinhalten. Für Brannekämper ist klar: die Stadt braucht dringend neuen Wohnraum. Doch keine Planung darf auf Kosten und zu Lasten der bereits hier lebenden Bürgerinnen und Bürger gehen. Statt Enteignungen und Planung nach sozialistischer Gutsherrenart müssen in Zukunft Kooperation und Dialog gesucht werden. Die Aufgabe der SEM im Norden Münchens muss hier Beispiel und Maßstab sein. Die Bürger haben ein gleiches Anrecht auf gemeinschaftliche, kooperative Lösungen auf Augenhöhe.